Meine Damen und Herren!

Es wird Zeit sich zu erheben und über die bereits veröffentlichten genialen Thesen und Grundsätze emporzusteigen. In einer Grundlegung zu einer Metaphysik der internetforennutzenden Fotografie und deren Fotografen, erscheint es mir nun an der Zeit, sich höheren Dingen zuzuwenden! Ich mache daher an dieser Stelle einen Vorschlag, der aufs Schärfste zu diskutieren ist! Diese Grundlegung, die wir kurz auch MphinF nennen können (eine gewisse Ähnlichkeit zu einer etwas sperrigen, wenngleich hervorragend geratenen Leica M ist hier nicht von der Hand zu weisen, soll aber nicht täuschen…), widmet sich fünf Begriffen, die das Verständnis, die Beurteilung und die Wertschätzung des Anderen sowie der eigenen Werke in den Mittelpunkt rückt. Die fünf zentralen Begriffe dabei sind:

  • Verantwortung
  • Vergebung
  • Zuversicht
  • Zufriedenheit und
  • Mut (zum Besonderen)

Lassen sie mich an dieser Stelle einige Ausführungen zu diesen Schlagworten anfügen:

Verantwortung

Die Verantwortung, die Sie für Ihr Schaffen und die Auswirkungen desgleichen auf Ihren Nächsten ausüben ist keinesfalls zu unterschätzen! Werden Sie sich der Magie Ihres Werkes bewusst, aber lassen Sie sich nicht überflügeln. Ein wenig Demut wir hier gut tun. Ebenso sollen Sie Verantwortung übernehmen, wenn Sie ein anderes Bild besprechen. Ein einfaches “gut gesehen” wird kaum ausreichen, um Ihrer Verantwortung genügend gerecht zu werden. Schreiben Sie eine kleine Abhandlung, lassen Sie erkennen, dass Sie bereit sind, das Werk des anderen zu kommentieren. Ermutigen Sie andere Personen auch Ihre Werke ausführlich zu bedenken.

Vergebung

Ich möchte mitnichten eine religiöse Diskussion vom Zaun brechen. Letztlich bleibt eine höhere Vergebung nur einer anderen Stelle vorbehalten. Aber gleichwohl: Beweisen Sie Größe und verurteilen Sie nicht eine Besprechung Ihres Bildes, die überaus vernichtend sein könnte. Lassen Sie Raum für Vergebung (und vielleicht auch Vergessen). Zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie Verantwortung für einen größeren Zusammenhang übernehmen und ihm die schlechte Kritik nicht übel nehmen und schon gar nicht in einen Rachefeldzug eintreten.

Zuversicht

Jedem kann ein wunderbares Bild gelingen. Zugegebenermaßen mittels eines digitalen Vollautomats (nein es ist keine Kaffeemaschine gemeint!). Werden Ihre Bilder auch noch so harsch besprochen, Sie sind ja durch Ihre Fähigkeit der Verantwortung und Vergebung in der Lage getrost weiter zu fotografieren. Der große Wurf wird Ihnen gelingen und vielleicht auch Ihrem Gegenüber. Also ran, Film einlegen und auf die Jagd nach Serien! Oder ähnlichem…

Zufriedenheit

Wenn Sie diese Punkte berücksichtigen, wird sich bald eine tiefe Zufriedenheit ergeben, die Sie befähigt das letzte Stichwort auszukosten und zu bewerkstelligen. Seien Sie ruhig auch einmal mit einer fragwürdigen Kritik zufrieden. Immerhin wurde Ihr Bild beachtet! Es hat jemand Zeit und Mühe investiert, um Ihr Werk genauer zu betrachten. Zeigen Sie anderen Ihre Zufriedenheit und die Kritik wird sich wandeln …

Mut (zum Besonderen)

Letztlich ist das Ziel etwas außergewöhnliches unter Berücksichtigung der vier im Vorfeld genannten Begriffe zu schaffen. Sie sind es, der es in der Hand hält. Zeigen Sie uns, zu was Sie in der Lage sind. Aber berücksichtigen Sie die vier Schlagworte. Sie sind der Weg zu Ihrem Meisterwerk und der Anerkennung seitens anderer. Seien Sie nicht einfach kreativ, sondern unkonventionell, übermütig und technisch bestens gerüstet. Werden Sie zum Jäger der Motive!

Beherzigen Sie alle diese Punkte so steht Ihnen der Weg in die höheren Weihen der internetforennutzenden Fotografie offen. Sie ermöglichen damit einen grundlegend ernsthafteren und sachlicheren Umgangston und einer völlig neue Perspektive des Betrachtens. Lassen Sie sich führen von den fünf Begriffen und erleben Sie eine andere Kultur des Miteinanders in Internetforen! Mit verantwortungsvollen, zuversichtlichen und zufriedenen Grüßen,

Ihr tf

18 Antworten to “Grundlegung zu einer Metaphysik der internetforennutzenden Fotografie”

  1. Kant sagt:

    Freut mich, dass Sie sich meiner etwas späten Schrift über die Grundlegung zur Met. d. Sitten erinnern, und im Titel darauf anspielen. Frage mich, wie ich meinen dreien Forumen des kategorischen Imperativs in der Internetumgebung von Krahlmann ein aktualsiertes Kostümchen übersreifen würde. Vielleicht sollte ich sagen:

    Fotografiere und kritisiere allzeit so, dass Du wünschen könntest, es gäbe nur andere, aber keine bessere Kritiken oder Bilder.

    Bedenke die Bilder und Antworten anderer allzeit so, als ob Du wünschen müsstest, Du hättest den andern richtig gelesen und seine Bilder richtig gesehen.

    Bewege Dich bei Krahlmann so, als ob Du hoffen dürftest, in einer idealen Gemeinschaft zu sein, in welcher alle letztlich bestens zusammenstimmen.

    Hochachtungsvoll
    Immanuel

    • tf sagt:

      Werter Herr Kant,

      ich bin hocherfreut, dass Sie sich persönlich dieser Vorlage widmen. Gerne lasse ich mich durch Ihren Geist (bitte verstehen Sie das jetzt nicht falsch…) erhellen und nehme die Gedanken auf. Sie werden Raum in einer überarbeiteten und erweiterten Fassung bekommen, so ich Ihre Einwilligung dazu bekomme. In untertänigster Verneigung,
      Ihr tf

  2. Kant sagt:

    Um Himmels willen, lieber tf, lassen Sie sich durch einen alten Mann, der nur ein wenig seiner formalen Leidenschaft nachgegangen ist, nicht in Ihren Gedanken bestimmen.

    Sehr richtig finde ich übrigens Ihren Hinweis, dass Bilder nicht einfach nur freundlich mit «gut gesehen» abgetan werden, sondern dass, wer sich zu Wort meldet, Rechenschaft über sein Urteil gebe, falle es aus, wie es wolle.

    Hochachtungsvoll
    Immanuel

  3. kaan sagt:

    Worte, die zum Nachdenken anregen.

  4. jo sagt:

    Gut geschrieben! :P

    • tf sagt:

      Meine Herren kaan und jo!

      Sie haben ja so Recht!

      • str sagt:

        .
        Wenn ich jetzt sage «gut gesehen», habe ich wohl etwas falsch verstanden. Aber was sollte ich sonst sagen?

        str.

        • tf sagt:

          Werter str.,
          ich vermute zu verstehen, was Sie mit Ihrem Kommentar zu sagen beabsichtigen. Und ich erlaube mir, es an dieser Stelle als Lob aufzufassen. Beste Grüße,
          tf

          • str sagt:

            .
            So war es ja auch gemeint. Mich hat der Inhalt erfreut: Wir sollten Bilder einstellen, die wir selbstkritisch vertreten können, und sollen die der andern mit bewußtgemachten Kriterien sehen und besprechen.

            str.

  5. s.m.e.p. sagt:

    Ist krahlmann.de der Ort um möglichst hochgestochene Texte zu veröffentlichen?

    Ich habe in der langen Zeit in der ich fotografiere festgestellt, dass es zwei Sorten Menschen gibt:

    1. Visuelle
    2. Verbale

    Beides in einer Person vereint gibt es kaum.

    Ich z.B. zähle mich zu Kategorie 1.

    • kaan sagt:

      “Beides in einer Person vereint gibt es kaum.”

      Dashalb gibt es Krahlmann. Der Platz für solche Menschen.

      • str sagt:

        .
        Lieber smep, Du bist ein Genie. Stimmt es, daß verbale und visuale Kompetenz kaum in einer Person vereint sei, dann kann keiner mit verbaler Kompetenz einen mit visualer als solchen erkennen und schon gar nicht einer mit visualer Kompetenz einen mit verbaler.

        Kannst Du hingegen Dir ein Urteil über beide zusprechen, müssen beide Kompetenzen in Dir vereint sein, sage ich mal mit Worten. Du müßtest nun mit einem Bild antworten, wenn stimmt, was ich aus Deiner Rede abgeleitet habe, kannst es hier aber ebenso nur mit Worten tun.

        str.

        • s.m.e.p. sagt:

          Hochverehrter str.!

          Das ist nun wohl das was man eine Zwickmühle nennt.

          Bin ich ein Mensch mit visueller Kompetenz, so kann meine Analyse niemals stimmen, denn die verbale Kompetenz würde mir fehlen.

          Wäre meine Aussage richtig, so stelle ich damit automatisch meine visuelle Kompetenz in Frage, was auch nicht erstrebenswert ist.

          Wie komme ich aus dieser verfahrenen Situation wieder raus?

          smep

          • str sagt:

            .
            «Wie komme ich aus dieser verfahrenen Situation wieder raus?»

            smep, ganz einfach, indem wir in diese Falle erst gar nicht hineingehen: An den völligen Gegensatz von Begabungen glaube ich nicht; aber man kann seine Anlagen verschieden kultivieren und richtig kultivieren kann man nur eine einzige. Vielleicht zielte Deine Bemerkung vom Unterschied der visuellen und verbalen Ausdruckspräferenz dahin, und dann sähen wir das sehr ähnlich.

            str.

    • autobahn sagt:

      Beim ersten Lesen bin ich geneigt, Dir Recht zu geben. Ein zustimmendes Kopfnicken kann ich nicht leugnen.

      Bei genauerer Betrachtung fällt es mir schwer mich selbst einzuordnen. Hättest Du Recht, wäre der visuelle Zug für mich wohl abgefahren. Nun gut, wenn es so wäre, was sollte ich es bedauern …

      Ich ahne einen wichtigen Kern in deinem Beitrag, welcher mir Respekt und diese Stellungnahme abnötigt. Vielleicht müsste man es nicht so ausschließend formulieren. Etwa so:

      (1) Ausgangspunkt
      Es braucht einen besonderen Blick, um aus der ständig gesehenen Umwelt sich selbst herausnehmen zu können und mittels z. B. der Fotografie visuelle Ausdrücke zu fixieren, die ihrerseits bestehen und wirken können.

      (2) Ähnlichkeit
      Auch die Sprache wird von uns allen benutzt, ohne dabei aus jedem einen gewaltigen und wirkmächtigen Sprachkünstler zu machen.

      (3) Abgrenzung I
      In dieser erkenntnisgesteuerten, aufgeklärten Gesellschaft, meint “sich ein Bild machen” gar nicht das Bild, sondern die Wirkung. Das Bild als Träger von Erkenntnis, als Vorstufe von etwas. Als Übermittler.
      Das Wort (“Die Schrift”) besitzt einen eigenen Status, der bis zur Heiligkeit getrieben werden konnte.
      Bilder werden mit Worten kommentiert. Das ist üblich. Dass Bilder Texte kommentieren kommt auch vor, aber längst nicht so häufig.

      (4) Abgrenzung II
      Es besteht ein Ungleichgewicht in Herkunft, Einsatz und Wirkung von Bildern und Worten. Jeweils für sich und in der Konfrontation miteinander. Wer Bilder macht, macht wenig Worte. Menschen, die sich für eines der verschiedenen Medien entscheiden sind sich der Einzigartigkeit ihres Mediums bewusst und (ge)brauchen das andere umso weniger. Nicht, dass sie es nicht könnten.

      (5) Quintessenz
      “Ein Wort gibt das andere”, sagt man. Aber Bilder machen/geben keine Bilder. Sie bleiben für sich. Aber sie bleiben.

      Erinnerung lebt in Bildern. Jedes für sich.

      Worte leben im Dialog. In der Zwiesprache begegnen sich Menschen, lassen sich von Worten vertreten, auch beeindrucken und prägen. Sodass am Ende wieder etwas bleibt …

      Vielleicht wieder Bilder…

      • str sagt:

        .

        «Das Wort (“Die Schrift”) besitzt einen eigenen Status, der bis zur Heiligkeit getrieben werden konnte.»

        Nun, es gibt auch Bilder, die heilig sind: Die Statuen in den Tempeln, die auf Transzendenz durchsichtige Bilderwand der orthodoxen Kirche.

        «“Ein Wort gibt das andere”, sagt man. Aber Bilder machen/geben keine Bilder.»

        Freilich, wieviele Bilder sind direkt Auseinandersetzungen mit Bildern? Ganz bewußt ist das z.B. bei Picasso (vor einem Jahr wurden in Paris gezeigt die Antworten von Picasso auf Déjeuner sur l’herbe von Manet). Ist Kunst, Literatur und Musik nicht ohnedies Variation weniger Themen und Formen, ein Werk Antwort auf das andere?

        str.

  6. henri klein sagt:

    …wenn ihr die regelableitungsmaschine da oben kurz mal ausmachen könntet und einfach knipsen ginget…

    • str sagt:

      .
      Geh jetzt knipsen, bin aber nicht sicher, daß die regelableitungsmaschine still steht. Man nennt diese Krankheit miltitasking. Es gibt außer Trollinger kaum wirksame Mittel dagegen.

      str.

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